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Am 30. August 2018 trafen wir uns im Rahmen der Studienfahrt "Erinnern für die Zukunft" mit der Zeitzeugin Frau Miros?awa Gruszczy?ska, geborene Przebindowska. Sie wurde 1929 in Krakau geboren und gemeinsam mit ihrer Mutter Helena und ihrer Schwester Ursula versteckte sie das jüdische Mädchen Anna Allerhand (genannt Marysia). Im Oktober 1942 konnte die damals 12 Jahre alte Anna zu Beginn der ersten Deportationen im Krakauer Ghetto fliehen, nachdem ihre Mutter nach Belzec deportiert wurde. Nach fehlgeschlagenen Versuchen, in den Dörfern der Umgebung ein Versteck zu finden, blieb ihr keine Möglichkeit als nach Krakau zurückzukehren. Dort wandte sie sich an Salomea Kowalczyk, eine Näherin, die vor dem Krieg enge geschäftliche Verbindungen zu Annas Eltern hatte. Die Familie Kowalczyk einigte sich darauf, Anna solange wie möglich zu verstecken und ihr ein sicheres Zuhause zu bieten. Schon bald musste Anna in eine Gartenlaube am Stadtrand flüchten, weil Nachbarn aufmerksam wurden. Deshalb begann Salomea nach einer anderen Familie zu suchen, die das Mädchen aufnehmen könne. Dabei fragte sie schließlich die Frau ihres verstorbenen Bruders, Helena Przebindowska. Helena und ihre beiden Töchter nahmen Anna schließlich bei sich auf. In der folgenden Zeit kam es häufig zu Situationen wie einer Erkrankung Annas, einem Räumungsbefehl für die Wohnung oder die Begegnung mit einem ehemaligen Nachbarn, in denen Annas Identität aufzufallen drohte.

Trotz allem war es letzten Endes möglich, dass Anna bis zum Ende des Krieges bei Helena Przebindowska und ihren beiden Töchtern Miroslawa und Ursula versteckt gehalten werden konnte. Nach Kriegsende konnte Anna ihren Vater, ihren Bruder Alexander und sogar ihre Zwillingsschwester wiederfinden, die ebenfalls überlebt hatten. Die Familie erhielt von einer jüdischen Hilfsorganisation das Angebot nach Israel zu gehen. Man ging daraufhin für zwei Jahre in ein Ausbildungscamp nach Italien und schließlich nach der Staatsgründung 1948 nach Israel. Anna und ihre Schwester gründeten neue Familien in Israel, Alexander blieb in Krakau, studierte und wurde Zahnarzt. Am 7. März 1990 wurden Salomea und Stanislaw Kowalczyk, ihre Söhne Czeslaw, Jerzy und Bronislaw, sowie Helena Przebindowska und ihre Töchter Ursula und Miroslawa von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu Gerechten unter den Völkern erklärt.


Gastbeitrag von Judith John, Lehrerin an der Ganztagsschule "Albert Schweitzer" Aschersleben










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