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unter der Leitung der Konrad-Adenauer-Stiftung - von Luise Frommelt Klasse 12/1 +++

 

Man könnte es für ein gewöhnliches Waldstück halten. Es ist still, die einzigen Geräusche sind das Rauschen der Bäume und ab zu der einsame Schrei eines Vogels. Manchmal sieht man einen Spaziergänger mit seinem Hund. Tritt man aus dem Dickicht, eröffnet sich eine wunderbare Aussicht auf ruhige Felder und Hügel.

Schwer vorstellbar, dass dieses Waldstück vor 74 Jahren ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald war. Ab 1944 mussten Häftlinge im KZ Langenstein-Zwieberge ein unterirdisches Tunnelsystem in die Thekenberge graben. Ziel war es, dort eine unterirdische Produktionsstätte für den Flugzeughersteller Junkers einzurichten. Unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen entstand bis zum Kriegsende ein 13 km langes Tunnelsystem. Zu einer Produktion kam es nie.

Vier zwölfte Klassen des Stephaneums besuchten das Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge im Januar 2018. Heute befindet sich an diesem Ort eine Gedenkstätte.

Wir erkundeten das Gelände in kleinen Gruppen. Mithilfe eines GPS-Gerätes suchten wir verschiedene Orte innerhalb des ehemaligen Konzentrationslagers auf. Während unserer Wanderung wurde uns bewusst, wie sehr der erste Eindruck trügt. Im Gegensatz zu einem idyllischen Waldstück ragten hier an vielen Stellen Zäune mit verrostetem Stacheldraht aus dem Boden. Je länger wir liefen, desto mehr ließ uns der kalte Januarwind frieren. Und das trotz unserer Winterjacken. Wie kalt muss dann erst den Häftlingen gewesen sein?

Das GPS-Gerät führte uns an die Ruinen verfallener Gebäude. Infotafeln klärten uns über deren ehemalige Funktion auf. Zusätzlich war jede Gruppe mit einem Tablet ausgestattet, auf dem Videos abgespielt werden konnten. In diesen berichteten Zeitzeugen über ihre Erlebnisse zu dem jeweiligen Ort.

Der wohl bedrückendste Platz im gesamten Lager ist die so genannte „Todeskiefer“. Wie der Name vermuten lässt, wurden hier Häftlinge ermordet, die versucht hatten zu fliehen. Es ist ein unheimliches Gefühl vor diesem Baum zu stehen, wenn man weiß, wie viele Menschen an diesem Ort zu Tode gekommen sind.

Während unseres Aufenthaltes erfuhren wir, dass über 4.500 Häftlinge in Langenstein-Zwieberge starben. Aufgrund von täglich zwölf Stunden harter körperlicher Arbeit bei Unterernährung und kaum medizinischer Versorgung lebten diejenigen, die im Stollen arbeiten mussten, meist nicht länger als sechs Wochen.

Über einen Großteil der Todesopfer weiß man heute nicht mehr viel. Nur das Studieren alter Akten gibt Aufschluss über ihr Leben. Ein Teil der Schüler beschäftigte sich mit einigen solcher Fälle. Aus Kopien dieser Akten versuchten wir herauszufinden, wer dieser Mensch war, wie er hieß, woher er kam, warum er im KZ war und wie er starb. Das alles unter der Fragestellung: „Was bleibt von einem Menschen übrig?“

Andere Schüler informierten sich über die Einzelschicksale von Überlebenden. Viele von diesen konnten Zeit ihres Lebens nicht über ihre Erlebnisse in Langenstein-Zwieberge sprechen. Sie verarbeiteten ihre Erlebnisse in Bildern oder Texten.

Der Besuch im Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge hat uns noch einmal verdeutlicht, wie grausam und menschenverachtend das NS-Regime vorgegangen ist. Deshalb ist es auch heute noch wichtig, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Gedenkstätten wie Langensein-Zwieberge sind mahnende Zeugnisse für uns und alle nachfolgenden Generationen. Sie machen uns deutlich, dass wir eine Wiederholung solcher Ereignisse um jeden Preis verhindern müssen.









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